Acer pseudoplatanus - Berg-Ahorn

      Familie : Aceraceae - Ahorngewächse
      Ordnung : Sapindales - Seifenbaumartige
	
 Besonderheit : Wertvoller Schutzwaldbaum, da Pionier auf feuchten, humosen
                Kalkstein-Schutthalden; Pioniergehölz zur Verbesserung des Bodens;
                sehr gut geeignet zur Bodenbefestigung in Hanglagen.
  Verbreitung : Mittel-Südosteuropa bis Westasien: von Portugal bis zum Kaukasus;
                durch Anpflanzungen verwildert und eingebürgert, in Norddeutschland
                seit dem 17. Jht..
     Standort : Sonnig bis halbschattig; liebt feuchte Lagen und bevorzugt Kühle;
                Baumart der hohen Lagen: reicht am weitesten ins Gebirge und geht
                bis zur Baumgrenze, in den Alpen Höhen bis 1700 NN; in Bergmisch-
                und Schluchtwäldern, in krautreichen Linden-, Ahorn- und Buchen-
                Mischwäldern, auch in Nadel-Mischwäldern (Tanne, Buche); zum Teil
                auf Felsen.
        Boden : Feucht-frische Lehmböden, auch feuchte Steinschuttböden; steinig,
                locker, tiefgründig, humos, nährstoffreich; mäßig sauer bis
                alkalisch, bevorzugt Kalk; auch rohe und reife Böden.
Wuchs : Baum 1. Ordnung; großer stattlicher Baum; Krone tief ansetzend, eiförmig bis breit gewölbt und aufgelockert, belaubte Krone sehr dunkel und dicht; Stämme durchgehend bis weit in die Krone; Hauptäste kräftig, breit ausladend; Längenwachstum monopodial; Kronenarchitekturmodell Rauh 1. Größe : Höhe 20-35 (40) m, Breite 15-25 m; raschwüchsig in der Jugend, danach langsameres Wachstum: Jahreszuwachs in der Höhe zunächst 80 cm, später 40-50 cm, in der Breite zunächst 50 cm, später 35-40 cm. Lebensdauer : Natürliche: 400-500 Jahre, maximale: 600 Jahre, Stadtgebiet: 100 Jahre; Nutzungsalter im Forst: 120-140 Jahre. Rinde : Graubraun und glatt. Borke : Graubraune bis silbergraue Borke mit rötlichen Flecken, von der sich flache Schuppen ablösen - kennzeichnend und ähnlich wie bei einer Platane ("pseudoplatanus"). Holz : Zäh bis elastisch; Splintholzbaum; Splint- und Kernholz gelblich-weiß bis fast weiß; im Alter manchmal falscher bräunlicher Kern; zerstreutporig; Rohdichte 0,48-0,75 g/cm³. Triebe : Graubraun, mit helleren zerstreuten bis zahlreichen Lentizellen; Blattnarben sind dreispurig. Knospen : Endknospen 8-15 mm lang; Seitenknospen 6-8 mm lang und eiförmig, mit kräftigen gelbgrünen Knospenschuppen, Ränder graubraun (trocken); kreuzgegenständig; Winterknospen grün, bei A. plat. rot. Blatt : Sommergrün; kreuzgegenständig; Länge 8-20 cm, Breite bis 16 cm, Stiel ca. 10 cm lang; im Umriss breit eiförmig, herzförmig oder rundlich; meist 5-lappig (3), Buchten zwischen den Lappen zugespitzt, in den Buchten und im Spreitengrund ganzrandig; ansonsten unregelmäßig gesägt; Oberseite dunkelgrün und kahl; Unterseite bläulich grün, anfangs dicht behaart und später verkahlend, Adern hellgrün; Stiel oberseits rot, ohne Milchsaft; Herbstfärbung leuchtend goldgelb im Oktober, kurz vor dem Laubfall. Blüte : Einhäusig, teilweise scheinzwittrig; Mai-Juni mit dem Laubaustrieb; 2-3 Wochen lang; auffallend gelbgrüne hängende Trauben, 6-12-15 cm lang; ziemlich locker aussehend, da die Petalen sehr kurz sind; Insektenbestäubung, z.B. Bienen; nach 10-25 Jahren. Frucht : September-Oktober; in kurz gestielten Büscheln; Spaltfrüchte mit 2 kugeligen Nüsschen; Flügel der beiden Teilfrüchte stehen im spitzen Winkel zueinander; Fruchtflügel ab Sommer rötlich bis leuchtend rot; im Tiefland jährlich, in Berglagen nur alle 2-3 Jahre; windverbreitet und weit fliegend. Samen : Neigt stark zur Selbstaussaat: aufgrund der breiten Krone müssen die Fruchtflügel durch den Wind nach außen getragen werden; Samen gehen leicht auf. Wurzel : Intensives Herz-Senker-Wurzelsystem; oberer Boden wird stark durchwurzelt. Krankheiten/ Schädlinge : Ahornrunzelschorf (Rhytisma acerinum): Blätter sind durch schwarze Flecken verunziert. Ökologie : Pionier auf feuchten, humosen Kalkstein-Schutthalden, daher wichtiger Schutzwaldbaum; gut abbaubare bodenpflegerische Streu, daher Pioniergehölz zur Bodenverbesserung; gute Bienenweide, bester Pollen- und Honigspender; Vogelnährgehölz. Eigenschaften : Schattenverträglich, hitzeempfindlich; verlangt hohe Luftfeuchtigkeit; bevorzugt kühle und feuchte Lagen; verträgt fließendes Grundwasser, aber keine Staunässe; pumpende Gehölzart; reagiert empfindlich auf zu lange Trockenperioden, auf Immissionen, auf Oberflächenverdichtung sowie auf plötzliches Freistellen; verträgt Leichte Anfüllungen; sehr windfest; relativ unempfindlich gegen Steinschlag; äußerst frosthart, aber spätfrostgefährdet; wenig stadtklimafest; mäßig salzverträglich; kaum schnittverträglich, da ab zeitigem Frühjahr-Sommer starkes Bluten aus der Schnittwunde. Verwendung : Typischer Wald- und Forstbaum; prächtiger Solitärbaum in der Landschaft sowie in Parkanlagen und großen Gärten, "Schattenspender" wegen des dichten Laubdaches; Schutzpflanzung (Lärm-, Windschutz); Bodenbefestigung (Hang- und Schuttbodensicherung); Begrünung von Industriegelände als Folgegehölz; auch Straßen- und Alleebaum; eher ungeeignet für: innerstädtisches Klima (oft überschätzt, s. Eigenschaften), Alleen und kleine Gärten (zu großkronig), gepflegte Grünanlagen (Pflegeproblem). Sorten : A. pseudoplatanus "Atropurpureum" - Roter Berg-Ahorn: Großer Baum (20-25-30 m hoch, 12-18-22 m breit); Krone eiförmig oder breit gewölbt, Hauptäste kräftig und ausladend, Blätter sehr attraktiv: stumpf 5-lappig, oberseits dunkelgrün, unterseits dunkel violettpurpur, Austrieb rotbraun und unterseits tiefrot; sehr frosthart und windresistent, empfindlich gegenüber Luftverschmutzung; Einzelstellung, Alleebaum, etwas problematisch im Stadtbereich; 1883 von Spaeth, Berlin, aus den Niederlanden nach Deutschland eingeführt - auch "Spaethii" genannt. A. pseudoplatanus "Erectum" - Schmalkroniger Berg-Ahorn: Starkwüchsig; in der Jugend straff säulenförmig, später breiter und mit mehr oder weniger aufsteigenden Ästen; Tieflandform; häufige Verwendung als Straßenbaum. A. pseudoplatanus "Negenia" - Kegelförmiger Berg-Ahorn: Großer Baum (20-25 m hoch, 0,6-0,8 m breit), dichte Krone kegelförmig und regelmäßig, Stamm bis Wipfel durchgehend und selten gabelnd; windfest; wenig Samen; Tieflandform; Straßenbaum auch für engere Straßen, Einzelstellung in Parks und an Sportplätzen. A. pseudoplatanus "Rotterdam" - Breit kegelförmiger Berg-Ahorn: Großer Baum (20-25 m hoch, 8-10 m breit), Krone breit kegelförmig aufgelockert mit schmal aufrecht strebenden Ästen; windfest; wenig Samen; Tieflandform; Straßenbaum, Einzelstellung in Parks und an Sportplätzen. Heilkunde : Aus den Blättern; im Mittelalter wurde der Ahorn als kühlendes Mittel gegen hitzige Geschwüre, Gerstenkorn; Fieber und Entzündungen verwendet; Blätter auflegen bei Insektenstichen, müden und geschwollenen Augen oder Füßen; Auflage aus Ahornblättern ist leicht herzustellen: Blätter quetschen oder in Wein weich kochen.
Hirzmann J. Trageser C. www.gartenagentin.de (2003)
 
Typische Wuchsform


Goldene Herbstfärbung


Borke

Wächtershäuser 2009