"Baum des Jahrtausends"
Familie : Ginkgoaceae - Ginkgogewächse
Ordnung : Ginkgoales
Jahrtausend- Aufgrund seiner Fähigkeit zum Überlebenskünstler wurde der Ginkgo
Baum : zum Jahrtausendwechsel 1999/2000 als "Mahnmal für Frieden und
Umweltschutz" zum "Baum des Jahrtausends" ausgerufen.
Besonderheit : Lebendes Fossil, 250-300 Mio. Jahre alt, Relikt einer im Jura-
und Kreide-Zeitalter sehr artenreichen Pflanzengruppe, überlebte
als einzige Gattung und Art dieser Ordnung in einem engen Areal
(25 qkm) in der Provinz Chekiang im Südosten Chinas; nimmt eine
Sonderstellung neben den Nadel- und Laubbäumen ein.
Verbreitung : Wild nur in der Provinz Chekiang in China; kultiviert zunächst in
China und Japan; heute in ganz Asien, Amerika und Europa.
Standort : Sonnig bis absonnig, wärmeliebend; in Laub- und Nadelmischwäldern.
Boden : (mäßig trocken) frisch bis feucht; bevorzugt tiefgründige, gut
durchlässige, nährstoffreiche Substrate; sauer bis alkalisch, Kalk
vertragend, pH-tolerant von pH 5-7; gedeiht auf jedem kultivierten
Boden, da sehr standorttolerant.
Wuchs : Stattlicher Baum mit sehr variabler Wuchsform:
a) streng säulenförmig mit durchgehendem Stamm bis zur Spitze;
wenige kurze Äste
b) Stamm durchgehend bis zum Wipfel; Krone kegelförmig; Äste
locker und überhängend
c) Stamm bei Kronenbeginn in mehrere Hauptäste geteilt; Krone
rundlich und breit ausladend; Äste dick, steif, sparrig und
wenig verzweigt.
Größe : Höhe 15-20-30 (40) m, Breite 10-15 (20) m; langsames Wachstum, besonders in der Jugend; Jahreszuwachs in der Höhe 35-40 cm, in
der Breite 25 cm; sekundäres Dickenwachstum der Stämme sehr stark.
Lebensdauer : Natürliche: 500 Jahre, ältester Baum in China (geschätzt):
1250 Jahre; im Kew Gardens (England) wächst ein noch immer
gesunder Baum aus dem Jahre 1770; im Botanischen Garten in
Utrecht (Niederlande) steht ein Baum von 1727, als der Ginkgo
von Japan nach Europa eingeführt wurde.
Borke : Grau, längsrissig; alte Stämme oft tief gefurcht und mit
knorrigen Auswüchsen. Holz : Ziemlich weich und leicht: lässt sich gut spalten, messern,
schälen; weiß bis hell gelb, Splint nicht zu unterscheiden;
Struktur gerade, dichtfaserig; Jahresringe sichtbar, sehr fein
und gleichmäßig.
Triebe : Glatt, hellgrün, verholzen im 2. Jahr, dann bräunlich.
Knospen : 4-5 mm lang; kegelig eiförmig; Knospenschuppen rotbraun, teilweise
glänzend, spiralig an der Blattscheide angeordnet; Seitenknospen
wechselständig und zusätzlich mit 2 kleinen schmalen Vorblatt-
schuppen. Blatt : Sommergrün (wie Laubbäume); Fächerblatt aus einstigen Nadeln (wie
Nadelbäume) zusammen gewachsen und mit Gabelnervatur = Phänomene
in der Pflanzenwelt; meist in der Mitte einmal gebuchtet, auch
mehrmals mehr oder weniger stark, Zweilappigkeit ("biloba") =
Charakteristikum; frisch grün, derb lederig, unregelmäßig gezähnt,
5-8 cm breit, lange Stiele von 2-4,5 cm; an Kurztrieben gehäuft
und in Büscheln zu 3-5, an Langtrieben vereinzelt und wechsel-
ständig; Laubaustrieb hell gelbgrün im April/Mai und spätfrost-
gefährdet; Herbstfärbung leuchtend goldgelb im Oktober; Laubfall
Anfang November. Wichtig - bei männlichen Bäumen jeweils 2 Wochen
früher: Blattaustrieb, Herbstfärbung, Laubfall!
Blüte : Zweihäusig; weibliche: 1-2 an 4 cm langem Stiel an Kurztrieben,
männliche: gehäuft und kätzchenähnlich (6-8 cm lang) an Kurz-
trieben; im April/Mai mit dem Laubaustrieb; kein Zierwert; nach
ca. 20 Jahren.
Frucht : Im September-November; kugelig, mirabellenähnlich, 2,5 -3 cm Ø;
fleischig mit Steinkern; erst grün, dann gelb, danach braun; bei
Reife unangenehmer Geruch nach Buttersäure; an alten männlichen
Bäumen gelegentlich fruchtende Zweige.
Samen : Steinkern; essbar; Samenanlagen frei liegend (Nacktsamer) und
silbrig schimmernd - daher der japanische Name "Silber-Aprikose"
= "Gin-kyo".
Wurzel : Kräftig; Hauptwurzel tief; Herzwurzler, ausgebreitet über Kronen-
traufe; ältere Bäume entwickeln am Stamm und auf der Unterseite
starker Äste wurzelartige, zitzenförmige Auswüchse, die meterlang
werden können und senkrecht zum Boden wachsen - möglicherweise
Überbleibsel von Stützwurzeln von ausgestorbenen Ginkgo-Arten,
die in sumpfigen Wäldern beheimatet waren.
Krankheiten/
Schädlinge : Meist völlig frei davon, keine natürlichen Feinde - der Ginkgo
überdauerte seine früheren Krankheiten und Schädlinge, die
inzwischen ausgestorben sind, und neue aus der heutigen Zeit
traten bislang kaum auf; nicht immun gegen Hallimasch.
Eigenschaften : Sehr widerstandsfähig gegen stärkste Luftverschmutzung, sehr
stadtklimafest, hitzeverträglich, äußerst windfest; gut frosthart,
nur als Jungpflanze spätfrostempfindlich (besonders auf zu nahr-
haften Böden); empfindlich gegen Salz, Oberflächenverdichtung
und Bodendeckerpflanzung (nur bei jungen Exemplaren); schlechte
Verpflanzbarkeit.
Verwendung : Einzelstand, in Gruppen, Alleen; Parkanlagen, Gärten, Innenhöfe
(männliche Bäume); hervorragend auch für schwierigste Standort-
situationen im urbanen Bereich; heiliger Baum in den Tempelgärten
Chinas und Japans ("Tempelbaum") - so sicherten buddhistische
Mönche seit Jahrhunderten die Existenz des Ginkgo.
Sorten : G. biloba ´Autumn Gold` - Goldener Ginkgo: Hoher Baum, Wuchs breit kegelförmig und sehr regelmäßig;
Herbstfärbung besonders leuchtend goldgelb.
G. biloba ´Fastigiata` - Säulen-Ginkgo:
Wuchs spitz kegelförmig bis säulenförmig.
G. biloba ´Pendula` - Hängender Ginkgo:
Kleiner Baum, Krone breit schirmförmig oder halbkugelig,
Äste überhängend oder waagerecht ausgebreitet.
Heilkunde : Aus den Blättern; asiatisches Heilmittel gegen Asthma, Bronchitis
und Hautunreinheiten; in Europa Medizin für die bessere Durch-
blutung vor allem des Gehirns sowie gegen Hirnleistungsstörungen
und Arteriosklerose; in Amerika Erwerbsbaum für medizinische
Zwecke, größte Plantage mit 500 ha, pro ha ca. 2000 Pflanzen,
jährlicher Rückschnitt, Blattgewinnung maschinell.
Bedeutung : In der chinesischen Philosophie aufgrund der Zweihäusigkeit und
der Zweiteiligkeit des Blattes: Sinnbild des Yin und Yang und
damit des weiblichen und männlichen Prinzips, des Tages und der
Nacht, von Freud und Leid sowie Leben und Tod.
Lyrik : Ginkgo biloba
Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertaut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie´s den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?
(Johann Wolfgang von Goethe, 1815)
Trageser C. www.gartenagentin.de
(2003)
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